Hedwig Holtz-Sommer – Auf das Menschliche kommt es an

12. Oktober - 7. Dezember 2025

Sonderausstellung

Hedwig Holtz-Sommer 1901 Berlin – 1970 Wustrow

In der Ausstellung des Kunstmuseums Ahrenshoop sind ab dem 12. Oktober 2025 Gemälde, Aquarelle, Monotypien und Zeichnungen von Hedwig Holtz-Sommer zu sehen. Mit rund 80 Arbeiten gibt die Schau einen konzentrierten Einblick in das Lebenswerk der Malerin, für die die künstlerische Arbeit in einer Zeit enormer gesellschaftlicher Verwerfungen zum Medium intensiver Sinnsuche wurde. Dabei liegt der Schwerpunkt auf ihrer Schaffenszeit in Wustrow auf dem Fischland.

Hedwig Holtz-Sommer, in Berlin geboren und in Dortmund aufgewachsen, studierte nach dem Auszug des Bauhauses aus Weimar an der dortigen Hochschule für Bildende Kunst und kam in den frühen 1930er Jahren von Rostock aus auf das Fischland. Sie traf dort den Maler Erich Theodor Holtz, heiratete ihn 1934 und blieb fortan bei ihm in Wustrow wohnen. Wie schon ihre Vorgängerinnen in der Künstlerkolonie Ahrenshoop, suchte auch Hedwig Holtz-Sommer im Lebensausdruck einfacher Dinge und Menschen nach dem Wahren und Ursprünglichen. Ihr malerisches Werk ist nur bruchstückhaft zu greifen, aber einige Porträtgemälde und Situationsschilderungen aus dem Ort Wustrow geben einen guten Eindruck von ihrem Können auf diesem Gebiet. Am bekanntesten sind die Aquarelle der Künstlerin. In der Ausstellung sieht man Blätter von berückender Leuchtkraft der Farben. Vor allem die Stillleben aus den 1930er und 40er Jahren bezeugen ihr zur tiefen Erfahrung gewordenes Wissen um die Kostbarkeit der nächsten Dinge. In den 1960ern malte sie die „Fischlandserie“ mit vielen reizvollen Momentaufnahmen aus Wustrow und seiner Umgebung.

Das zeichnerische Werk Holtz-Sommers ist fast ausschließlich vom Menschen bestimmt. Besonders stark berühren jene zeichnerischen Dokumente aus der Kriegszeit und dem unmittelbaren Nachkrieg in den 1940ern. Darunter sind zahlreiche Darstellungen entwurzelter und entkräfteter Menschen, die sich in Gruppen gegenseitig stützen und gemeinsam orientieren. Die Flüchtlinge, die damals in die Gegend kamen und zum Teil dort blieben, prägten den Alltag wesentlich mit. Holtz-Sommers Zeichnungen zu diesem Thema sind sehr dicht, aber auch zart – als taste sie nach einem rechten Ausdruck für das Elend.

Die letzte Phase ihres Schaffens nach dem Tod von Erich Theodor Holtz 1956 widmete Hedwig Holtz-Sommer der Literatur. Ihr umfangreiches, offenbar in eigenem Auftrag geschaffenes Illustrationswerk zu Romanen und Theaterstücken von Brecht, Gogol, Tschechow, Gorki, Max Frisch und anderen, ist bisher kaum erschlossen. Doch auch ohne, dass man den Zusammenhang erkennt, beeindrucken ihre vielen Studien menschlicher Ausdrucksbewegungen und Physiognomien. Die eingehende Zwiesprache mit literarischen Werken muss sie nicht nur angeregt, sondern ihr auch Halt gegeben haben. Sie traf sich darin mit der gleichaltrigen Rostocker Malerin Kate Diehn-Bitt, in deren Werk das inhaltlich brisante Literarische erst in den Vordergrund trat, als sie sich infolge der Formalismus-Diskussionen der 1950er Jahre aus jeder Öffentlichkeit zurückzog.

Wie Hedwig-Holtz-Sommer sich in der Öffentlichkeit ihrer Zeit jeweils verortete, verrät die Anfang Oktober erscheinende Monografie zu Leben und Werk der Künstlerin, in der neueste Recherchen der Erben mit Forschungsergebnissen von Renate Billinger-Cromm (ꝉ), Melanie Ohst und Wolf Karge zusammenfließen.


Eröffnung: Sonnabend, 11. Oktober 2025 um 18 Uhr

Es sprechen: Dr. Katrin Arrieta, Museumsdirektorin und Dr. Wolf Karge, Historiker, Schwerin

Begleitprogramm: Tänzerin Mathilda Clara Baum


Am 10. Oktober 2025 erschien bei edition fischerhuder kunstbuch das Buch von Dr. Wolf Karge über Hedwig Holtz-Sommer: „Auf das Menschliche kommt es an.“ Es ist zu einem Preis von 29 € im Buchhandel, im Kunstmuseum Ahrenshoop oder direkt in unserem Museumsshop zu bestellen.

Öffnungszeiten

heute 10 – 17 Uhr

Ausstellungen

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