vom 25. Juli – 20. September 2026
Mit dieser Ausstellung würdigen wir das Schaffen des Malers und Grafikers Friedrich Wilhelm Fretwurst zu dessen 90. Geburtstag. Der Name Fretwurst ist auf dem Fischland geläufig. In Ahrenshoop-Althagen wurde Friedrich Wilhelm 1936 geboren – zu einer Zeit, als Hans Brass, Alfred Partikel, Dora Koch-Stetter und andere heute als moderne Ahrenshooper Klassiker geltende Künstler hier wirkten. Seit 1997 wohnt und arbeitet Fretwurst im Haus seiner Vorfahren in Dändorf am Saaler Bodden.
Nach einem Studium der Kunsterziehung in Greifswald hat er in den 1960er Jahren freie Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert und danach viele Jahre in Berlin gelebt. In Greifswald nahm er durch Herbert Wegehaupt (1905-1959) Ideen vom Bauhaus auf, in Ost-Berlin gab ihm Fritz Dähn (1908-1980) Impulse aus der damals noch als formalistisch geltenden internationalen Moderne weiter. Doch auch jüngere Handschriften der Berliner Schule haben seine Arbeit angeregt, darunter die des Zeichners Dieter Goltzsche (*1934).
Fretwurst kam in der Berliner Zeit in einen Freundes- und Kollegenkreis, in dem die künstlerische Reibung an der Welt sich mit den Dingen des Alltäglichen verband, dem Daseinshintergrund, den sie bezeugen, und dem Wunsch, dies Wahrgenommene als groß zu würdigen – im Gegensatz zum ideologischen Programm des künstlerischen Optimismus in der DDR. Das im Stadtraum von Berlin, bei Reisen in entferntere Gegenden der Erde und besonders an der heimatlichen Küste visuell und atmosphärisch Eingefangene hat Fretwurst oft mit Freude an der Einzigartigkeit des Augenblicks direkt in seine Kunst hineingenommen. Immer hat er Stift und Zeichenblatt parat, um das Gesehene festzuhalten. So entstanden tausende von Skizzenblättern, die Erinnerungen speichern.
Der für ihn wichtigste und schwierigste Teil seiner Arbeit aber findet im Atelier statt, wenn er die Notizen vom Erlebnisschauplatz wieder vornimmt und in Bilder umsetzt: in Gemälde und in größere Zeichnungen. Die Problematisierung fängt nun an, der Dialog mit dem Erinnerten. Für seine Suche nach dem Wesentlichen braucht er unbedingt die Farbe, muss er Maler sein und es sich schwerer machen als beim Zeichnen, muss Riskantes wagen – gerade mit der Farbe – und sich revidieren, mit dem Bild in Auseinandersetzung sein. Es ist dieser fortgesetzte Prozess, der das Werk von Friedrich Wilhelm Fretwurst bis heute in Bewegung hält und so lebendig wirken lässt.
Eröffnung: Freitag, 24. Juli 2026 um 18 Uhr


