Das architektonische Konzept

Das Kunstmuseum Ahrenshoop (Südseite) im Juni 2016

In der Geschichte der Künstlerkolonie Ahrenshoop liegt der Schlüssel zum architektonischen Konzept für das neue Kunstmuseum. Trotz uneingeschränkter Zeitgenossenschaft der hier arbeitenden Künstler war sowohl in ihren Werken als auch bei ihren Häusern eine tiefe Verbindung mit der Landschaft und der baulichen Tradition dieser Region zu spüren. So ist das von Staab Architekten Berlin entwickelte architektonische Konzept der Versuch einer Transformation dieses ländlichen Bautypus in eine zeitgemäße Museumsarchitektur.

Ausgehend von der bildhaften Wahrnehmung einer Gruppe rohrgedeckter Häuser, nur wenige Schritte vom Museumsstandort entfernt, wurde ein Ensemble von Einraumhäusern entwickelt, deren Korngröße die eigentlichen Ausstellungsräume ergibt, die sich um ein zentrales Foyer gruppieren. Durch das Verschmelzen der Dachformen entsteht ein skulpturaler Baukörper, der diese scheinbaren Einzelhäuser zu einem Gesamtkomplex verbindet. So fügt sich der Baukörper selbstverständlich in die Maßstäblichkeit der Nachbarschaft ein und entwickelt doch eine neuartige Zeichenhaftigkeit für dieses auch überregional so bedeutende Museumskonzept.

Das neue Kunstmuseum Ahrenshoop besteht konstruktiv betrachtet aus fünf aneinandergefügten Einzelhäusern und einem dazwischen gespannten Flachdach. Das Gebäude ist ein Massivbau und wurde komplett aus Stahlbeton errichtet. Die einzelnen Ausstellungshäuser sind mit Ausnahme des kleinen Kabinettes als Tageslichträume konzipiert. Dazu sind die Dachspitzen unterhalb der Firstlinie „abgeschnitten“, so dass ein offener Firstbereich entsteht, der die Belichtung der Ausstellungsräume über horizontale Oberlichter mit Tageslicht ermöglicht.

In das Oberlicht integrierte Prismen bewirken eine Lichtverteilung, die als nahezu schattenfreies Raumlicht wahrgenommen wird. Die offenen Oberlichtbereiche sind mit einer Stahl-Glas-Konstruktion abgedeckt.

Die energetische Versorgung der Räume erfolgt über Geothermie, zu der 24 Sonden bis in 90 m Tiefe abgeteuft sind. Die Dachschrägen und die Fußböden sind geothermisch aktiviert. Eine zentrale Steuerung der Wärmetauscher bewirkt gleichbleibende Raumtemperaturen, Heizung oder Kühlung.

Die Fassadenverkleidung in Form einer wärmegedämmten Metallfassade stellt entsprechend dem Gesamtkonzept eine Transformation des traditionellen Rohrdaches dar. Über die scheinbar ungeordnete Kantung von baubronzenen Tafeln entsteht eine lebendige Außenhaut, die auf Witterungseinflüsse reagiert und hierdurch in ihrem Verhalten und in ihrer Farbigkeit den Rohrdächern nahekommt. Erst in der Annäherung erkennt man die Andersartigkeit des Materials. Die Helligkeit der Fassade changiert zu unterschiedlichen Brauntönen. Sie „altert“ somit in Analogie zur Rohrdeckung.

Die Freianlagengestaltung für das Kunstmuseum Ahrenshoop stärkt das architektonische Leitbild eines in die Naturlandschaft eingebundenen norddeutschen Gehöfts. Dabei wurden die straßenseitigen Bereiche mit dem Eingangsplatz als repräsentative Visitenkarte des Museums gestaltet. Die Gartenseite inszeniert den Übergang in die landschaftliche Umgebung. Sie ist naturnah unter Einbeziehung vorhandener Elemente wie Gräben und Teich gestaltet.

Auszeichnungen:
Landesbaupreis 2014
Iconic-Award 2014 als „Project of the Year“
IALD Award of Merit 2015 (International Association of Lighting Designers USA)
GE Edison Award of Merit 2014 (General Electrics USA)
Deutscher Lichtdesign-Preis 2015

Typische Ahrenshooper Häusergruppe
Typische Ahrenshooper Häusergruppe
Entwurf der Außenanlage
Entwurf der Außenanlage
Grundriss des Erdgeschosses
Grundriss des Erdgeschosses
Holzmodel des Museumsgebäudes
Holzmodel des Museumsgebäudes
Entwurf eines Ausstellungsraumes
Entwurf eines Ausstellungsraumes
Foto des Eingangsbereiches ca. zwei Wochen vor der Eröffnung
Foto des Eingangsbereiches ca. zwei Wochen vor der Eröffnung
Detailaufnahme der Metallfassade
Detailaufnahme der Metallfassade