4. Oktober | 19.30 Uhr

Emil Nolde - Maler und Mythos

Film von Wilfried Hauke, D 2017
Filmclub
Kunstmuseum Ahrenshoop

Zum 150. Geburtstag von Emil Nolde im Jahr 2017 wirft der Film einen neuen Blick auf den wohl bekanntesten und beliebtesten norddeutschen Maler. Er zeigt einen Künstler in seiner bis heute faszinierenden weiten Landschaft und einen durch und durch widersprüchlichen Menschen, der keineswegs nur das "Opfer" der NS-Zeit war, als den ihn die Menschen in der jungen Bundesrepublik nur allzu gern sehen wollten.

Der Film ist keine Nacherzählung einer Biografie, sondern zunächst einmal ein Besuch in "Noldes Land". Es wird mit Zeitzeugen gesprochen sowie mit Menschen, die sich heute auf ganz besondere Weise mit dem Werk und der Person Noldes verbunden fühlen. In einem zweiten Strang spürt der Film den Widersprüchen und vor allem Selbststilisierungen dieses Künstlers nach, der eben alles andere war als nur der unpolitische, von Licht und Blumen, von Meer und Weite schwärmende Naturmaler. Durch Recherchen von Kunsthistorikern und Biografen, zum Teil aktiv initiiert von der Nolde-Stiftung in Seebüll, hat Noldes Lebensbild in jüngster Zeit viele dunkle Stellen bekommen. Als Opfer der Nazis stilisierte sich Nolde nach dem Krieg. Besuche von bundesrepublikanischer Politprominenz, die Sehnsucht der Nachkriegsgesellschaft nach "sauberen" Bildern und nicht zuletzt auch Siegfried Lenz' "Deutschstunde" haben einen Nolde-Mythos entstehen lassen, der wenig mit den Widersprüchen und Abgründen dieses Malers zu tun hat. Die Zeit ist reif, das ganze Bild zu zeigen: prächtige Werke, einen großen Künstler und einen Menschen, der kein stiller Held des 20. Jahrhunderts war.